Gute Mischung …

Ich lese gerade zwei Bücher gleichzeitig (was irgendwie häufiger vorkommt) ;-). Zum einen das Buch “Das Alter” von Simone de Beauvoir und “Grau ist bunt” von Henning Scherf. Beide Bücher handeln natürlich vom Alter und der Situation von älteren Menschen in der Gesellschaft. Da Beauvoir (1970), in klarer Sprache, ein ziemlich düsteres Bild vom Alter beschreibt, bin ich ganz froh, dass ich zur gleichen Zeit das Buch von Henning Scherf lese. Er erzählt sehr positiv über sein Leben in einem WG-Haus und über die zahlreichen Aktivitäten, die er nun endlich im Ruhestand ausüben kann.

Vielleicht liegt es auch an dem Zeitraum, der zwischen der Veröffentlichung der beiden Bücher liegt (36 Jahre), dass sich das Bild von den älteren Menschen positiv verändert hat?

3 Reaktionen zu “Gute Mischung …”

  1. Sonja

    Beide Bücher kenne ich leider nur vom Hörensagen. Aber ich denke auch, viele Wege, die heute gangbar sind, waren vor 30 Jahren únd mehr für ältere Menschen unbekannt. Dazu zählen wohl auch die SeniorenWGs. Surfende Senioren, z.B., gab es auch nicht, da Internet noch ein unbekanntes Wort war.
    Dennoch hier meine Rückfrage: Können nicht beide, Beauvoir und Scherf, recht haben als zwei Seiten einer Medaille?

  2. Julia

    Ich habe die beiden Bücher zwar noch nicht zu Ende gelesen, aber ich denke, dass Sie einen wichtigen Aspekt angesprochen haben. Scherf spricht eher von aktiven Senioren, d.h. über ältere Menschen, die geistig und körperlich fit sind. Beauvoir wendet sich eher den älteren, gebrechlichen Menschen zu, die auf Hilfe angewiesen sind.
    Insgesamt würde ich persönlich sagen, dass es heute mehr Möglichkeiten für “ältere” Menschen gibt, länger aktiv zu bleiben, dass die “aktive Lebenszeit” sich verlängert hat und dass auch mehr Aufmerksamkeit auf die Generation 60plus gerichtet wird… Doch was passiert dann mit diesen aktiven Menschen in der sogenannten vierten Lebensphase? Können Mehrgenerationenhäuser, Wohngemeinschaften und das Internet eine Hilfe bzw. eine gute Alternative oder eine Stütze in diesem “gebrechlichen” Alter sein? Und wenn ja: In welcher Form könnte dies umgesetzt werden?

  3. Sylwia

    Ich schließe mich den beiden Aussagen an. Beide Autoren ergänzen sich meiner Meinung nach mit ihren Aussagen. Dazu muss ich vorab sagen, dass ich die Bücher leider nicht gelesen habe. Wenn aber Beauvoir ein negatives Bild vom Alter zeichnet und Scherf, den ich mal persönlich bei einer Veranstaltung der Friedrich-Ebert-Stiftung erleben durfte, sich positiv über das Alter äußert, so haben beide sicherlich recht. Jedoch darf man nicht nur jeweils die eine Seite sehen. Daher bin ich mir sicher, dass es tatsächlich zwei Seiten der Medallie gibt. Das Alter kann sowohl gute Seiten wie z.B. Lebenserfahrung, stärkeres Selbstbewusstsein, eine gewisse “Coolness” (wenn ich das so sagen darf), die erst oft im Alter erreicht wird u.v.m. mit sich bringen, als auch schlechte Seiten wie z.B. Krankheit, Gebrächen, Einsamkeit etc. Ich finde allerdings, dass wir in der heutigen Zeit tatsächlich mehr Möglichkeiten haben, das Leben im Alter zu gestalten (wenn wir denn körperlich und geistig dazu in der Lage sind bzw. sein werden). Ich kann mir für meinen Teil durchaus vorstellen, z.B. im Alter mit befreundeten Personen in einem Haus(halt) zu leben. Das war früher nicht üblich gewesen.
    Die Gesellschaft verändert sich ständig. Diese Veränderung, z.B. die stärkere Akzeptanz für verschiedene Lebensformen (auch wenn hier noch viel Verbesserungspotenzial bsteht), finde ich toll. Man sollte den gewonnenen Gestaltungsspielraum nach Möglichkeit nutzen.

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