Archiv September, 2010

Veranstaltung der Friedrich-Ebert-Stiftung “Dumm 3.0 oder aktive Bürger(innen) im Netz?”

Julia Behlke am 22. September 2010

Gestern Abend war ich bei dem Vortrag “Dumm 3.0 oder aktive Bürger(innen) im Netz?” der Friedrich-Ebert-Stiftung (FES) in Hamburg. Als Vortragende waren Markus Reiter (Buchautor, Medienberater und Journalist) und Markus Beckedahl (Chefredakteur von netzpolitik.org) eingeladen. Der Vortragsraum war gut gefüllt und es sah danach aus, dass es eine spannende Diskussion geben würde.

Denn Markus Reiter hat vor kurzem das Buch “Dumm 3.0. Wie Twitter, Blogs und Social Networks unsere Kultur bedrohen” veröffentlicht. In seinem Buch beschreibt er u.a. “[…] die Gefahr, im Informations-Dschungel des Internets die Orientierung zu verlieren. […] Denn ohne Dienstleister, die Fakten prüfen und vorsortieren, könne die Informationsflut des Internets manchen Leser überfordern.”

Markus Beckedahl hingegen sieht eine große Chance in der Informationsvielfalt des Internets. Zudem könne mittlerweile jeder “[…] seine Meinung publizieren und damit zu ganz neuen Diskussionen anregen.” Mit seinem Blog netzpolitik.org behandelt er u.a. Themen wie Freie Software, Urheberrecht und Digital Rights.

Zunächst schien es so, dass die beiden Vortragenden unterschiedliche Standpunkte vertreten würden. Doch dann stellte sich heraus, dass die beiden Vortragenden gar nicht so weit voneinander entfernt lagen. Markus Reiter schien es hauptsächlich um die Frage zu gehen, wie der professionelle Journalismus im Internetzeitalter fortbestehen kann. Denn ohne “Paid Content” wäre es kaum möglich diesen zu finanzieren. Dieses wiederum ist nicht ein Problem des Internets, sondern eher eine Frage des Geschäftsmodells, welches die Verlage momentan (eine große Hoffnung der Verlage liegt vor allem auf dem iPad) zu lösen versuchen.

Markus Beckedahl machte darauf aufmerksam, dass Blogger hauptsächlich auf die großen Verlage verlinken und dass diese Links auch zu mehr Lesern und einer guten Reputation führen würden. Er sah weiterhin keine Lösung im sogenannten “Paid Content”, sondern sah diese eher in Werbeeinnahmen.

Die Diskussion wechselte dann zu Partizipationsmöglichkeiten der einzelnen Bürger(innen). Markus Reiter war der Ansicht, dass viele Bürger(innen) gar nicht in der Lage seien ihre Meinung im Internet zu veröffentlichen und viele Forenbeiträge nicht erwähnenswert wären oder auch diffamierend seien. Dies wiederum ist auch kein direktes Problem des Internets, sondern eher eine Frage der Medienkompetenz und Bildung auf Seiten der Bevölkerung.

So war das Ergebnis der ganzen Dikussion wieder einmal (wie auch in vielen Politiksendungen), dass mehr in Bildung investiert und bereits in der Schule Medienkompetenz vermittelt werden müsste. Wenn nun die Lösung in der Bildung liegt, dann frage ich mich, warum nicht einfach mehr in die Bildung investiert wird. Wir könnten uns die ganzen Diskussionen (und Politiksendungen) sparen und müssten einfach nur handeln. Es liegt einfach auf der Hand: Wir leben in der sogenannten Wissensgesellschaft (auch Informationsgesellschaft genannt) und diese verfügt auch über ihre entsprechenden Medien. Wir müssen nur lernen mit diesen (durchaus mächtigen Werkzeugen) umzugehen …